Die 10 Gebote der Rationalität

Am 22. April 2017 kommt es in mehr als 400 Städten weltweit (auch in Deutschland!) zu Demonstrationen für eine stärkere Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Entstanden ist die sogenannte „Science March“-Bewegung in den USA nach Donald Trumps Sieg bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn sucht man nach dem hervorstechendsten Merkmal „Trumpscher Regierungskunst“, so ist es die Missachtung sämtlicher Standards der rationalen Argumentation. Die unzähligen Widersprüche in Trumps Aussagen, seine Vorliebe für „postfaktische Argumente“, sein Beharren auf „alternativen Fakten“, seine Verrisse von juristischen Beweisführungen und naturwissenschaftlichen Belegen – all dies sind keine zufälligen Erscheinungen, in ihnen offenbart sich vielmehr eine gefährliche Aushöhlung des Wahrheitsbegriffs, die für autoritäre Herrschaft typisch ist, denn: „Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln“, wie Karlheinz Deschner einmal treffend formulierte.

Letzteres haben Trumps Amtskollegen in Russland und in der Türkei längst erkannt. So unterschiedlich die Ziele von Trump, Putin  und Erdogan auch immer sein mögen, ihre Macht gründet auf demselben Herrschaftskonzept, nämlich der Aufwertung religiöser und nationaler (identitärer) Werte bei gleichzeitiger Abwertung all jener wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in Konflikt mit diesen Werten stehen. So ist es beispielsweise kein Wunder, dass nicht nur in der Türkei, sondern auch in Russland und in den USA die Bildungsministerien von Kreationisten geführt werden, die alles daran setzen, die Evolutionstheorie aus den schulischen Lehrplänen zu verbannen.

Letztlich aber richtet sich der Angriff der religiösen Nationalisten nicht nur gegen politisch unliebsame Einzelerkenntnisse der Wissenschaften, sondern gegen die wissenschaftliche Methode an sich, nämlich gegen das „Prinzip der kritischen Prüfung“ (Hans Albert). Auch dies ist leicht nachvollziehbar, denn die Trumps, Putins und Erdogans der Welt würden – wie der Kaiser in Hans Christian Andersens berühmten Märchen – doch ziemlich nackt dastehen, wenn es zu einer gesellschaftlich verbreiteten Mode würde, ihre „postfaktischen“ Argumentationen anhand rationaler Kriterien zu überprüfen.

Wir sehen: Angesichts des Erfolgs der auf „alternativen Fakten“ gründenden „Internationale der Nationalisten“ ist es heute dringend geboten, gegen Fake News und für eine stärkere Beachtung rationaler Kriterien im öffentlichen Raum zu demonstrieren. Doch wie lauten die Kriterien, mit deren Hilfe wir rationale von irrationalen Argumentationen unterscheiden können?

In meinem Buch „Die Grenzen der Toleranz – Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen“ (Piper Verlag 2016) habe ich mich u.a. mit dieser Frage beschäftigt und aufgezeigt, dass sich rationale Argumentationen vor allem dadurch auszeichnen, dass sie intern und extern widerspruchsfrei, elegant, kritisierbar, zirkelfrei, willkürfrei, unparteilich, problemlösend, praktisch erfüllbar und erkenntnistheoretisch bescheiden sind. Was ist damit gemeint? Aufschluss darüber mag der folgende Auszug aus dem „Toleranz“-Buch geben, den ich hier mit freundlicher Genehmigung des Piper-Verlags veröffentlichen darf.

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Die Grundlagen einer rationalen Debatte (Auszug)

(…) Der postmoderne Imperativ „Ich bin o.k., du bist o.k.! Lass dem Anderen seine Meinung! Hör auf, zu bewerten!“ tritt gerne als Aufruf zur Toleranz auf, ist in Wahrheit aber ein Aufruf zur Ignoranz. Es ist wichtig, sich diesen Unterschied bewusst zu machen. Denn Ignoranz verhindert Toleranz. Wer ignorant ist, kann gar nicht tolerant sein, da er gar nicht um die Lasten weiß, die er womöglich zu erdulden hätte. Durch seine Weigerung, Unterscheidungen anhand klarer rationaler Prinzipien vorzunehmen, ist der Ignorante nicht in der Lage zu erkennen, was zu tolerieren ist, was keine Toleranz erfahren darf und was in einer offenen Gesellschaft von allen akzeptiert werden sollte. Mit einem Wort: Er entzieht der rationalen Debatte über Toleranz und Akzeptanz jegliche Grundlage.

Dies allerdings ist eine Haltung, die wir uns auf der Stufe der Zivilisation, die wir mittlerweile erreicht haben, nicht mehr leisten können. Warum? Weil die rigide Abwehr von Rationalitätskriterien fatalerweise nur den weltanschaulich-politischen Bereich betrifft, aber niemals den Bereich der Technik. Selbst die größten Propagandisten der Irrationalität verlassen sich, sobald es um technologische Fragen geht, auf die strikte Einhaltung rationaler, wissenschaftlicher Prinzipien. Man denke etwa an die geistliche und politische Elite des Iran – eines Landes, dessen verfassungsmäßiges Staatsoberhaupt (der „12. Imam“) angeblich schon seit dem Jahr 941 (!) „im Verborgenen lebt“ und das trotz der himmelschreienden Irrationalität seiner religiös-politischen Ideologie ein hochwissenschaftliches Atomprogramm auf die Beine gestellt hat.[1] (…)

Es ist allerdings ein hochgefährliches Spiel, Atome zu spalten und über Satelliten zu kommunizieren, ohne die dafür erforderliche intellektuelle Reife zu besitzen. Denn je höher der technologische Entwicklungsstand einer Kultur ist, desto größer ist auch ihr Selbstzerstörungspotential.[2] Aus diesem Grund sollten wir heute alle Anstrengungen unternehmen, um dafür zu sorgen, dass die rationalen Prinzipien, die wir in der Technologie (unabhängig von Weltanschauungen und politischen Meinungen) ganz selbstverständlich akzeptieren, auch auf anderen Gebieten berücksichtigt werden.

Ebendies sollte auch im Zentrum einer zukunftsfähigen Bildungspolitik stehen. Denn die Beachtung von Rationalitätskriterien muss von der Pike auf gelernt und immer wieder neu aufgefrischt werden, damit sie in der täglichen Kommunikation nicht verloren geht. Meines Erachtens sollten dabei die folgenden zehn Grundprinzipien in besonderer Weise berücksichtigt werden:[3]

 Die 10 Gebote der Rationalität

1.
Interne Widerspruchsfreiheit

Begriffe, Aussagen, Theorien sollten logisch schlüssig (konsistent) sein. Sind sie in sich widersprüchlich, spricht das gegen ihre Qualität. Uns ist eine solche Widersprüchlichkeit u.a. im Fall des Begriffs „Kulturrassismus“ begegnet, der einander widersprechende Kategorien, nämlich Diskriminierung aufgrund von ethnischer Herkunft und Diskriminierung aufgrund von Kulturmerkmalen, in unzulässiger Weise miteinander vermischt. Ein solch inkonsistenter Begriff führt schnell zu fehlerhaften (irrationalen) Anwendungen. So haben wir gesehen, dass Islamkritikerinnen wie Mina Ahadi als „Rassisten“ beschimpft werden, obwohl sie die Kriterien eines begründeten Rassismus-Verdachts gar nicht erfüllen.[4]

2.
Externe Widerspruchsfreiheit

Manche Aussagen sind zwar in sich schlüssig, widersprechen aber der empirischen Faktenlage oder maßgeblichen Erkenntnissen anderer Forschungsgebiete. So steht die Behauptung, Homosexualität sei „widernatürlich“, im Widerspruch zur empirischen Erkenntnis, dass Homosexualität in der Natur weitverbreitet ist; die Aussage von islamkritischen Verschwörungstheoretikern, alle Muslime träumten vom Dschihad, im Widerspruch zu empirischen Umfragen; die Mutmaßung von Vorurteilsforschern, es gäbe keinen islamischen Faschismus, im Widerspruch zu den Ergebnissen der historischen Forschung usw.

3.
Sparsamkeit des Erklärungsmodells

Welterklärungsmodelle sollten elegant sein, das heißt sie sollten auf unnötige, ihrerseits erklärungsbedürftige Zusatzannahmen verzichten. Solche Zusatzannahmen werden immer wieder gerne verwendet, um Behauptungen als „denkmöglich“ auszuweisen, die empirisch längst widerlegt sind (also am obigen zweiten Rationalitätskriterium scheitern). Ein Beispiel dafür ist der „Junge-Erde-Kreationismus“, der davon ausgeht, dass die Erde erst vor wenigen tausend Jahren von „Gott“ erschaffen wurde, was allen Befunden der Geologie und Evolutionsbiologie diametral widerspricht.[5] Um ihr Welterklärungsmodell aufrechterhalten zu können, behaupten einige Kreationisten daher, dass die Belege für die Evolution (etwa für die Existenz von Dinosauriern, die vor 66 Millionen Jahren ausgestorben sind) von „Gott“ (wahlweise auch vom „Teufel“) nachträglich erschaffen und an die geeigneten Stellen platziert wurden, um den Glauben der Menschen auf die Probe zu stellen. „Denkmöglich“ ist dies zweifellos, elegant (und damit rational) sicherlich nicht.[6]

4.
Kritisierbarkeit

Wir können niemals vollkommen sicher sein, ob das, was wir als wahr erachten, tatsächlich der Realität entspricht. Daher sollten Aussagen so formuliert werden, dass sie überprüft und gegebenenfalls widerlegt werden können. Dieses Kriterium erfüllt der „Junge-Erde-Kreationismus“ ebenso wenig wie die Taqīya-Verschwörungstheorie, der wir am Anfang des ersten Kapitels begegnet sind. Wer – wie die Taqīya-Verschwörungstheoretiker – behauptet, dass alle Muslime vom Dschihad träumen, selbst diejenigen, die dies bestreiten, stellt eine Behauptung auf, die nicht zu widerlegen ist. Ein ähnliches Problem stellt sich, wenn Theologen uns erklären, was „Gott“ angeblich will. Denn wer hat recht? Khomeini? Khorchide? Papst Franziskus? Hans Küng? Keiner von ihnen? Es gibt kein rationales Kriterium, um dies zu entscheiden. Der einzige, der zu diesem Thema ein vernünftiges Statement abgeben könnte, wäre „Gott“ selbst. Doch der scheint entweder nicht zu existieren oder es vorzuziehen, sich in solche Streitigkeiten nicht einzumischen.

5.
Vermeidung logischer Zirkel

Bei logischen Zirkeln dreht sich die Beweisführung im Kreis, was häufig auf eine problematische Argumentation hindeutet.[7] Als Beispiel für logisch fehlerhafte Zirkel-Argumentationen bietet sich auch hier die Taqīya-Verschwörungstheorie an, deren Argumentationsmuster man etwa folgendermaßen rekonstruieren kann: Aussage 1: Alle Muslime träumen vom Dschihad, selbst diejenigen, die das Gegenteil behaupten. Warum ist das so? Begründung 1: Weil der Koran allen Muslimen den Dschihad abverlangt – und dies ist die einzig mögliche theologische Lesart, die alle Muslime teilen. Warum ist das so? Begründung 2: Weil alle Muslime vom Dschihad träumen, selbst diejenigen, die das Gegenteil behaupten – womit die Argumentation wieder an ihrem Anfang angelangt ist.

6.
Willkürfreiheit

Die Ausrichtung der Argumentation und die Auswahl der Informationsquellen, die zur Untermauerung einer Position herangezogen werden, sollten nicht willkürlich, also nicht nach subjektivem Belieben erfolgen, sondern dem behandelten Thema entsprechen und zumindest ansatzweise die Breite der Debatte widerspiegeln, die zu diesem Thema erfolgt ist. Wer dieses Kriterium nicht beherzigt, gerät schnell in die Fänge des Confirmation Bias, wie wir u.a. am Beispiel antimuslimischer Islamkritiker und promuslimischer Islamkritik-Kritiker gesehen haben.

7.
Unparteilichkeit der Argumentation

Wer rational argumentiert, ergreift Partei für die Stimme der Vernunft – und diese ist nicht unbedingt bei einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppierung beheimatet. Rationalität setzt die Fähigkeit voraus, die Güte eines Arguments unabhängig davon beurteilen zu können, wer es äußert. Rational denkende Menschen schert es daher nicht, wenn sie „Beifall von der falschen Seite“ bekommen, es sei denn, dies würde dazu beitragen, dass falsche Argumente in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung den Sieg davontragen.[8] Wer nicht in der Lage ist, unangenehmen Debattenteilnehmern recht zu geben, wo sie recht haben, untergräbt die Grundlagen einer rationalen Streitkultur, was, wie wir am Beispiel der AfD gesehen haben,[9] gerade jenen nutzt, die irrationale Standpunkte vertreten.

8.
Theoretisches Problemlösungspotential

Manchmal führt nicht nur ein Weg, sondern führen mehrere Wege zum Ziel. In diesen Fällen ist es sinnvoll, den Weg einzuschlagen, der die größte Aussicht auf eine befriedigende Problemlösung verspricht. Ein Beispiel dafür habe ich im Kapitel Der islamische Humanismus angesprochen: Man kann auf die Verbreitung antihumanistischer Gottesvorstellungen entweder mit einer religionsfreien, humanistischen Philosophie antworten, die Gottesvorstellungen per se infrage stellt (mein Weg), oder mit einer humanistischen Theologie, die eine alternative Gottesvorstellung entwirft (der Weg von Mouhanad Khorchide). Theoretisch scheint mir der philosophische Weg sehr viel rationaler zu sein, da er erstens eleganter ist (Kriterium 3), zweitens leichter kritisiert werden kann (Kriterium 4) und drittens antihumanistischen Gottesvorstellungen sehr viel wirksamer den Boden entzieht. Warum? Weil derjenige, der an einen humanistischen Gott glaubt, denjenigen, der an einen antihumanistischen Gott glaubt, zumindest in dem Anspruch bestätigt, dass man etwas Gehaltvolles über „Gott“ aussagen könne. Dies jedoch kann man mit einem ganzen Arsenal von guten, rationalen Argumenten bestreiten.[10] So gesehen müsste man eigentlich zu der Einschätzung gelangen, dass man unbedingt dem philosophischen Weg folgen sollte – wäre da nicht noch ein weiteres Kriterium …

9.
Praktische Erfüllbarkeit

Immanuel Kant meinte zwar, es sei Unsinn zu behaupten, etwas tauge in der Theorie, aber nicht in der Praxis.[11] Man sollte diese Einsicht aber nicht überinterpretieren. Denn eine Sichtweise, die theoretisch elegant ist, muss real existierenden Menschen deshalb noch lange nicht einleuchten.[12] Dies war und ist der Grund dafür, weshalb ich meine, dass wir sowohl den philosophischen als auch den theologischen Weg zum Humanismus offenhalten sollten. Die einen mögen diesen Weg bevorzugen, die anderen jenen, aber das sollte uns nicht stören, solange beide in etwa zum gleichen Ziel führen.

10.
Einsicht in die Begrenztheit rationaler Erkenntnis

Wir können die Welt nicht wahrnehmen, wie sie losgelöst von unserer Wahrnehmung existiert. Selbst die ausgefeiltesten wissenschaftlichen Methoden erlauben uns nicht den Zugriff auf die Welt, wie sie „an sich“ beschaffen ist. Rational ist daher eine Erkenntnis, die um ihre eigene Beschränktheit weiß. Mehr noch: Wer vernünftig denkt, sollte wissen, dass das rationale Denken keineswegs den einzig legitimen Zugang zur Welt darstellt, ja, dass es nicht einmal rational wäre, die Welt ausschließlich aus einer rationalen Perspektive zu betrachten. Da ich in dem Buch Leibniz war kein Butterkeks ein ganzes Kapitel darauf verwendet habe, zu begründen, warum es nicht vernünftig ist, immer vernünftig zu sein,[13] brauche ich das dort Gesagte nicht noch einmal zu wiederholen. Nur so viel: In vielen Bereichen des Lebens, etwa in der Kunst oder im Spiel, ist es ratsam, die miesepetrige Kontrollinstanz der Vernunft deutlich herunterzufahren. Dabei sollten wir lebensklug genug sein, einige der kognitiven Verzerrungen, die uns das Leben, insbesondere die Liebe, schenkt, mit allen Sinnen zu genießen, statt sie immer und überall zu hinterfragen und dadurch zu zerstören. Eine partielle Befreiung vom rationalen Rigorismus würde sicherlich auch einigen Religionskritikern guttun, die mit allergrößtem Argwohn die munteren Sprachspiele liberaler Theologen beobachten, obwohl diese sehr viel erträglicher sind als der tödliche Sprachernst ihrer fundamentalistischen Kollegen.[14] Um es einmal aphoristisch auszudrücken: Es kann durchaus ein Zeichen von Weisheit sein, „alle Fünfe gerade sein zu lassen“, wenn die einzige Alternative der Vernunft darin besteht, den fünften Finger zu amputieren, um den strengen Gesetzen der Mathematik Genüge zu tun. (…)

 

(Auszug aus: Michael Schmidt-Salomon: Die Grenzen der Toleranz. Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen. Piper Verlag 2016, S. 103ff.)

 

Anmerkungen:

[1] Vgl. Michael Schmidt-Salomon: Keine Macht den Doofen. Eine Streitschrift. München 2012, S. 35 f.

[2] Vgl. Michael Schmidt-Salomon, Hoffnung Mensch, S. 310 ff.

[3] Bei den nachfolgenden „10 Geboten der Rationalität“ orientiere ich mich, wenn auch recht frei, an einem Vorschlag des deutschen Physikers und Philosophen Gerhard Vollmer (*1943) aus dem Jahr 1990, vgl. Gerhard Vollmer: Wissenschaftstheorie im Einsatz. Beiträge zu einer selbstkritischen Wissenschaftsphilosophie. Stuttgart 1993, S. 155 ff. Die Modifikationen gegenüber dem Grundmodell von Vollmer sind u.a. darin begründet, dass es Vollmer in seinem Text Mehr oder weniger Vernunft? um Metakriterien einer „vernünftigen Rationalitätstheorie“ ging, also um Kriterien für die Rationalität der Rationalität selbst, während ich mich hier auf das bescheidenere Ziel konzentriere, rationale Argumente gegenüber irrationalen im alltäglichen Diskurs abzugrenzen.

[4] Vgl. das Kapitel Die große Begriffsverwirrung

[5] Selbstverständlich vertreten nicht alle Kreationisten die „Junge-Erde-Hypothese“. Zu den unterschiedlichen Denkmodellen im kreationistischen Spektrum siehe u.a. Michael Schmidt-Salomon: Darwins umkämpftes Erbe. Die Evolutionstheorie im weltanschaulichen Widerstreit. In: Helmut Fink (Hrsg.): Die Fruchtbarkeit der Evolution. Humanismus zwischen Zufall und Notwendigkeit. Aschaffenburg 2013, S. 24 ff.

[6] Siehe hierzu auch die Darlegungen zu „Ockhams Rasiermesser“ in Michael Schmidt-Salomon, Manifest des evolutionären Humanismus, S. 59 ff.

[7] Es sei denn, die Aussage beschreibt selbstreferentielle Systeme, bei denen die Wirkungen ihre eigenen Ursachen beeinflussen, vgl. hierzu u.a. Jürgen Beetz: Feedback. Wie Rückkopplung unser Leben bestimmt und Natur, Technik, Gesellschaft und Wirtschaft beherrscht. Heidelberg 2016.

[8] Vgl. das Kapitel Zwischen den Fronten

[9] Vgl. die Ausführungen im Kapitel Die verhinderte Streitkultur und ihre Folgen

[10] Vgl. hierzu u.a. Michael Schmidt-Salomon/Lea Salomon, Leibniz war kein Butterkeks, S. 45 ff.

[11] Immanuel Kant: Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis. Werke in zehn Bänden. Darmstadt 1983, Band 9, S. 125 ff. Bei genauerer Betrachtung hat Kant mit seiner These natürlich Recht. Denn eine gute Philosophie des Humanismus sollte schon auf theoretischer Ebene berücksichtigen, dass ein ausschließlich philosophischer Zugang zum Humanismus in der Praxis scheitern wird.

[12] Siehe die entsprechenden Darlegungen im Kapitel Der islamische Humanismus

[13] Michael Schmidt-Salomon/Lea Salomon, Leibniz war kein Butterkeks, S. 182 ff.

[14] Die Unterscheidung von westlichem Sprachernst und orientalischem Sprachspiel steht im Zentrum der „anderen Geschichte des Islam“, die Thomas Bauer vorgelegt hat, vgl. Thomas Bauer, Die Kultur der Ambiguität, S. 224 ff. Meines Erachtens geht Bauer mit seiner Kritik am Konzept der „rationalistischen Gewissheit“ zu weit, wodurch er sich selbst in Widersprüche verwickelt, da seine Darstellung der Ambiguität der islamisch-arabischen Kultur aus gutem Grund den Prinzipien rationaler Klarheit folgt. Dennoch muss sein Argument, dass gerade die westlich-rationale Sprachernstigkeit zu einer „Islamisierung des Islams“ geführt hat, aus einer rationalen Perspektive ernstgenommen werden.